Katja schreibt mir: Ich bin ratlos. Was soll ich nur machen? Meine große Tochter, 3,5 Jahre alt, piesackt ihren kleinen Bruder, 3 Monate alt, wann immer sie eine Gelegenheit sieht. Erklären, schimpfen, mit ihr etwas Eigenes machen – nichts hilft. Langsam bin ich mit meinem Latein und meinen Nerven am Ende. Ich bin froh, dass sie in den Kindergarten geht und ich so wenigstens ein paar Stunden Ruhe habe.
Kennen Sie das? Kommt Ihnen ähnliches in den Sinn?

Was erlebt sie gerade?

Versetzen wir uns doch mal in die kleine Dame. Was könnte sie erleben? Was steht denn hinter ihren Eifersuchtsszenen? Was erlebt sie im Körper? Wie fühlt sie sich im Familienverbund? Was könnte sie denken? Bewusst? Unbewusst?
Zuallererst war sie über drei Jahre die Prinzessin. Oder Einzelkind. Mama und Papa war nur für sie da. Die ganze Aufmerksamkeit der Familie gehörte ihr. Und plötzlich war da dieses Baby. Und alles verändert sich für sie. Sie musste Platz machen, das Baby beansprucht jetzt natürlicherweise Aufmerksamkeit. Fühlt sich vielleicht zurückgesetzt. Ist frustriert. Angespannt. Verteidigt ihren Platz.

 

Danke, dass du Platz gemacht hast

Als allererstes darf sie hören: Danke, dass du Platz gemacht hast. Du warst vor deinem kleinen Bruder da. Du bist die Große (nicht: die Vernünftige) und er ist der Kleine. Das wird immer so bleiben. Und du bist wichtig und wertvoll, nur weil du da bist. Und ich danke dir, dass du die große Schwester bist. Und ich brauche deine Hilfe. Mit deiner Hilfe ist es für mich leichter, für das Baby zu sorgen. Du darfst mir jeden Tag sagen, wie du mir helfen willst. Und wenn du keine Lust hast, ist das auch in Ordnung. Du bist nur die große Schwester. Und ich weiß, dass du deinen kleinen Bruder liebst, so wie auch Papa und Mama dich lieb haben.

Wir haben etwas wichtiges übersehen

Wir haben deine Not nicht gesehen und das wollen wir ändern. Wir wollen, dass du dich genauso sicher fühlst wie bisher. Und auch da brauchen wir deine Hilfe. Du allein spürst, wenn es dir nicht gut geht. Dann bitten wir dich, uns dies zu sagen oder zu zeigen. Dein kleiner Bruder kann nichts dafür und er kann nichts ändern. Nur wir können unser Verhalten dir gegenüber verändern. Und wir wollen uns so verhalten, dass es auch dir gut geht. Du bist ein ganz besonderes Wesen für uns und das wird es immer bleiben.

Das Unbewusste mit einbeziehen

So oder so ähnlich darf sie es hören oder auch wenn sie schläft. Ihr Unterbewusstsein hört auch dann mit, wenn das Bewusstsein schläft.
Und auch wenn sie die Worte, die Sie wählen noch nicht versteht. Sie versteht und spürt genau, was Sie meinen. So wie ein Baby den Sinn der Worte und die Emotionen, die mitschwingen, versteht.
Damit wird sie gesehen und ihr Platz als die Erste gewürdigt. Schon dieser Schritt bringt eine deutliche Entspannung.

Wichtigkeit ins Tun bringen

Als nächsten Schritt darf sie altersgemäß bei der Pflege des Bruders beteiligt werden und auch entsprechend Verantwortung übernehmen. Darf sie beim Wickeln helfen, beim Fläschchen geben, Strampler aussuchen usw. Dabei ist die Freiwilligkeit wichtig. Sie darf – wenn sie will.

Auch wenn sie die Große ist, ist sie noch klein

Und ganz selbstverständlich hat sie Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen. Bekommt der kleine Bruder eine Babymassage – darf sie sich auch eine wünschen. Zeit nur für sich: Vorlesen, gemeinsames Spielen, Kuscheln. Und deutlich machen: jetzt bist du dran. Nur du. Jetzt muss der Kleine mal warten oder wird anderweitig betreut.
Auch sie ist Kind – auch sie braucht Aufmerksamkeit. Und das bedarf der großen Achtsamkeit Ihrerseits – damit Bedürfnisse im Alltagstrubel nicht übersehen werden. Denn sie ist ja schon so groß und vernünftig. Ja, sie ist groß – und doch noch klein. Sie kann noch nicht genau sagen: Mama, du fehlst mir. Immer hast du nur das Baby auf dem Arm. Immer bist du müde. Sie kann nur erkennen: Seit das Baby da ist – ist alles ganz schlimm für mich.
Und glaubt, das Baby ist die Ursache.

 

Menschen wollen gefragt werden – immer!

Und der Kleine bekommt sein erstes Spielzeug. Ist es sein eigenes, neu gekauftes? Oder das von ihr abgelegte? Das darf sie ihm schenken – wenn sie will. Vielleicht „braucht“ sie ihre Rassel noch selbst? Auch die von ihr getragenen Strampler, Jäckchen dürfen nicht einfach so in seinen Besitz übergehen. Vielleicht mag sie sich einen Strampler, ein Jäckchen für ihre Puppe aussuchen. Für den Rest gibt sie ihr Einverständnis. So fühlt sie sich gewürdigt und als Persönlichkeit gesehen.
Sie ist eine Persönlichkeit, die selbst über ihre Sachen bestimmen will – auch wenn sie schon „rausgewachsen“ ist. Vielleicht will sie noch ein letztes Mal in den Kinderwagen liegen, um zu erkennen, wie eng es jetzt für sie ist. Oder wie groooß sie schon geworden ist.

Kinder sind wie die Kompassnadel

Kinder sind von sich aus soziale Wesen. Sie wollen sich einbringen, wollen dazugehören, geliebt und gesehen werden und anderen eine Freude machen. Das ist ihre Natur. Wenn wir dies beachten, gelingt es, ein friedvolles Miteinander zu gestalten. Wenn es anders ist, dürfen wir Erziehende uns fragen, was wir übersehen haben, was wir an unserem Verhalten ändern können.

Ungestörtes Lernen ermöglichen

LernenCharlotteBottIm späteren Verlauf, wenn der Kleine krabbeln kann und nichts mehr vor ihm sicher ist, braucht die große Schwester Schutz. Schutz, um ungestört spielen zu können; Schutz, damit sie ihre Fertigkeiten üben kann und nicht über Gebühr Frustration erfährt. Es ist schon schwer und frustrierend genug, wenn etwas nicht sofort gelingen mag. Und hier können Sie ihr wiederum helfen, mit dieser Frustration gut umzugehen. Es ist in Ordnung, frustriert (oder wütend oder traurig oder…) zu sein. Ermutigung hilft dabei, neue Wege zu finden und die Herausforderungen zu überwinden. Das macht Kinder stark.

 

 

Auseinandersetzungen sind anstrengend – und doch so wichtig

Es wird immer wieder zu Streitigkeiten kommen, denn Kinder wollen auch ihre Grenzen erfahren und ihre sozialen Kompetenzen stärken. Dies geht nur über Auseinandersetzung, im gegenseitigen Tun. So wie sich Tierkinder balgen und damit wichtige Fähigkeiten für das spätere Leben aneignen. Und diese Auseinandersetzung hat mit Ablehnung und Eifersucht nichts zu tun.

Es bedarf von Seiten der Eltern viel Achtsamkeit, damit jedes Kind sich seiner Natur entsprechend entwickeln und sich die Freude und Neugier am Leben erhalten kann.
Dass Ihnen das gelingt, wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen!

 

Bitte gehen sie nicht ohne Ihr Geschenk

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