Kinder brauchen Grenzen – und Führung!

Immer wieder taucht in Gesprächen die Frage auf, ob Kinder Grenzen brauchen. Die einen plädieren für unerzogen, die anderen dafür, sie auf das „wirkliche Leben“ bzw. „die Welt“ vorzubereiten.
Lass uns doch mal die Frage einfach beleuchten: Ein Baby kommt mit sehr viel Wissen und wenig Erfahrung auf die Welt. Es kommt als soziales Wesen auf die Welt. Es trägt alles in sich, was es für ein gelingendes Leben braucht. An uns, den Erziehenden, liegt es, das Kleine so zu führen, dass das Licht in ihm sein Strahlen behält und vergrößert. Es gibt nicht Gut und Böse. Es gibt nur das Gute und die Abwesenheit vom Guten. Das Verhalten hängt bereits im frühen Alter von der Erziehung der Eltern ab. Wie sich das Verhalten des Kleinkindes dabei ändern kann, schauen wir uns im Folgenden an.

Wie macht sich ein Kind bemerkbar?

Das Kleinkind hat Bedürfnisse und damit diese erfüllt werden, schreit es. Dieses Verhalten kennen wohl jede Eltern. Die Mutter oder der Vater darf herausfinden, was das Kind denn jetzt gerade braucht.
Wann hört dieses „ich brauche etwas von dir“ denn auf? Meiner Meinung nach nie! Menschen handeln immer aus Bedürfnissen heraus! Klar – auch wir Erwachsenen handeln aus unseren Bedürfnissen heraus – manchmal aus erfüllten, manchmal aus unerfüllten. Das ist das menschliche Verhalten und daher auch schon im frühen Kindesalter zu erkennen.

Wie und wann setze ich Grenzen?

Und wo fängt es jetzt an – dieses Setzen von Grenzen?
Ja – Kinder brauchen sie!
Würdest du ein Kleinkind einfach in der Wohnung krabbeln lassen – und du weißt: da sind Stufen, die es noch nicht erkennen und noch nicht bewältigen kann? Würdest du ein Kleinkind unbeaufsichtigt lassen, wenn es im Garten spielt – wo es noch keine Gefahren kennt?
Mit Sicherheit nicht! Du würdest ein Türgitter anbringen, gefährliche Dinge auf die Seite räumen, Steckdosen sichern ….
Klar! Du würdest alles tun, damit sich dein Kleinkind gefahrlos seinen Raum erobern könnte. Das sind die Grenzen, die es braucht! Grenzen vermitteln, bedeutet also nicht immer gleich etwas Negatives. Eltern vermitteln sie auch zur Sicherheit ihrer Kinder. Sie wollen damit eben den bestmöglichen Spielraum bieten, um Ihre Umwelt sicher kennenzulernen. Wenn dies getan ist, sollte man den Kleinen nun aber auch ihren Freiraum und ihre Umwelt erkunden lassen. Denn auf der anderen Seite ist es für die Entwicklung auch wichtig, sich selbst mit der Umwelt auseinander zu setzen und ein das Gefühl der Freiheit kennenzulernen. Eltern sollten ihre Kleinen also nicht ständig aus Angst nicht aus den Augen lassen wollen. Das kindliche Bedürfnis liegt unter anderem auch darin, die Umwelt auch mal ohne die eigenen Eltern kennenzulernen. Umso schöner ist es doch, wenn der Sohn oder die Tochter zu Mama und Papa kommt und die Möglichkeit hat, den Eltern etwas zu erzählen, was sie nicht direkt miterlebt haben.
Vor allem in der Kindheit ist es doch schön, etwas im Alltag selbst zu entdecken. Es ist eben ein Raum, den Kinder erobern und Erfahrungen machen können. Sie spüren, was Freiheit bedeutet. Diese Grenzen schaffen die Basis für das Lernen von Verantwortung, derer sich Kinder gewachsen fühlen. Und dabei sprechen wir von gesetzten Grenzen sowohl für Eltern als auch das Kleinkind – die Eltern haben eben genauso eigene Grenzen, ihre Kleinen loslassen zu müssen und ihnen Freiheit zu ermöglichen.
So kann es beispielsweise selbst entscheiden, wieviel und was es essen mag. Und es lernt, dass es unter Umständen hungrig wird, bevor es die nächste Mahlzeit gibt.
Und es kann entscheiden, was es anziehen will. Vielleicht braucht es von Natur aus viel weniger Wärme als du.
Du meinst ja, weil es dir zu kalt ist – könnte es dem Kind auch zu kalt werden.
Es lernt dadurch, sich selbst besser kennenzulernen und sich entsprechend zu kleiden. Wenn du glaubst, es ist zu leicht gekleidet – kannst du immer noch  Reservekleidung bereithalten, die mit in die Kita genommen wird.
Eine Mutter erzählte mir einmal, dass ihre Tochter sich weigerte, eine Mütze mit in die Kita zu nehmen. Auch den Einwand, dass es selbst entscheiden könne, ob sie die Mütze aufsetze oder nicht, ließ die Tochter nicht gelten. Später erfuhr die Mutter, dass es in der Kita die Regel gibt: wer eine Mütze dabei hat, setzt sie auch auf!

Grenzen? Führung? Regeln? Was macht den Unterschied?

Diese Grenzen, die ihre Kinder brauchen, um geschützt zu sein, weiten sich natürlich im Laufe der Zeit, der Entwicklung angepasst. So gilt es immer achtsam zu sein, was wir Erwachsenen den Kleinen zumuten können, wieviel Verantwortung sie für sich schon tragen können. Von uns Erwachsenen erfordert es sehr viel Flexibilität und Einfühlungsvermögen. Es erfordert Anleitung und Begleitung um Grenzen Kindern zu setzen. Wir als Erwachsene beobachten, sichern, ermöglichen und ermutigen.
Jetzt höre ich dich schon sagen, ja das ist alles schön und gut – aber wo bleibe ich mit meinen Bedürfnissen?
Ich muss morgens los und da müssen die Kinder einfach mitmachen.
Erklärst du deinem kleinen Sohn oder Tochter, was du gerade brauchst und du darfst dir sicher sein, dass es mit dir kooperiert.
Oder: ich kann doch nicht immer das tun, was das Kind will. Wie soll es sich denn in der Gesellschaft zurechtfinden, wenn es sich nicht einfügen kann?
Ich habe dazu neulich eine Geschichte gehört: Stell dir vor, du planst einen Urlaub. Mit dem Auto soll es von Norden nach Süden gehen. Mehrere 1000 km. Setzt du dich jetzt schon Wochen vor der langen Autofahrt jeden Tag einige Stunden ins Auto, um dich daran zu gewöhnen, wie es ist, solange im Auto zu sitzen? Trainierst dich auf die Urlaubsfahrt? Wohl kaum!
Wollen wir als Eltern angepasste Kinder? Oder wollen wir sie in ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben führen?

Was die Hirnforscher sagen …

Der Hirnforscher Gerhard Hüther hat in diesem Thema herausgefunden, dass Begeisterung in der Regel der Treibstoff für Motivation und damit der Lust am Lernen von ihren Kindern ist. Das Gefühl der Begeisterung wird angefeuert durch Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit gleichermaßen. Das bedeutet in der Konsequenz: ein Kleinkind, das sich seiner Zugehörigkeit sicher ist, dass es so sein darf, wie es ist UND sich ausprobieren darf, sich in seiner Wirksamkeit erfahren darf, ist motiviert und begeistert, Neues mit der Zeit zu lernen. Es ist wie ein Spiel, in dem man selbst erobern kann und darf. Das lernen Kleinkinder auch schon früh in Büchern, die ihnen von Mama oder Papa vorgelesen werden. Vor allem in Büchern nehmen Kleinkinder so auf spielerische Weise wichtige Thematiken für das Leben bereits im frühen Alter wahr.

Sinnvoll Grenzen setzen

Grenzen, die wir unseren Kindern setzen, sollen immer ihrem Schutz dienen, sollen immer den Rahmen bieten, in dem sie sicher weiterentwickeln können. Es bedarf eben der gegenseitigen Achtung und dem gegenseitigen Respekt. Führung meint, ihnen die Richtung zu weisen, das Gute in ihnen zu stärken, sie zu ermutigen, damit sie ihre Begeisterung und Kreativität ausbauen und erhalten können. Eltern, die Angst vermitteln, übertragen diese Angst in der Regel auch auf die Kinder und nehmen ihnen vielleicht die Freude daran. Ja – Kinder brauchen Grenzen. Doch diese Art stärkt die Beziehung zwischen Eltern und ihnen und ermöglichen ein Wachstum und fördern ein harmonisches Miteinander in der Familie. Merke Dir also diese goldene Regel:

„Du musst nicht dein Herz verschließen, um klare Grenzen zu setzen. Genau genommen kann ein “Nein” der deutlichste Ausdruck von Liebe sein“.Chameli Ardagh

Natürlich gibt es in einer bedürfnisorientierten Erziehung auch ein Nein.
Ein Nein – wenn meine Regeln verletzt werden. Das ist eine normale Konsequenz, aber keine Strafe. Und das kann ich kommunizieren. Nein – du darfst nicht mit meinem Handy spielen, weil ich es zur Arbeit brauche. Ich sage Nein – und schaffe einen Ausgleich, in dem ich auf das Bedürfnis des Kindes eingehe. Dann nehme ich mir Zeit, um mit ihm zu spielen. So achte ich auf das Bedürfnis von mir und dem Kind.
Nein – ich gebe dir kein Eis, weil mir deine Gesundheit wichtig ist. Doch zu essen bekommst du genug.
Du darfst auch einmal keine Lust für irgendetwas haben. Wichtig ist nur, eine klare Ansage zu vermitteln – und dazu darf auch mal ein nein gehören. Dann sagst du nein, ich mag jetzt nicht. Damit schützt du deine Bedürfnisse und übernimmst die Verantwortung für dich. Es ist eben wichtig, für sich selbst auch Grenzen zu bestimmen.
Immer für die Kinder da zu sein, obwohl dir alles zu viel ist, gibt ihnen das Gefühl, nicht willkommen zu sein und schwächt das Zugehörigkeitsgefühl. Dann ist ein Nein sehr hilfreich!

Erfüllte Bedürfnisse stärken

Wir unterscheiden auch zwischen Bedürfnissen und Wünschen. Bedürfnisse müssen im Idealfall erfüllt werden. Denn eine bedürfniserfüllte Erziehung fördert das Fülledenken: alles ist möglich. Es ist genug für alle da. Ich kann mir mein Leben träumen und dann meinen Traum leben. Ich fühle mich zugehörig, ich fühle mich sicher. Ich vertraue mir und den Kräften, die in mir schlummern. Und wenn ich mir vertraue, vertraue ich dir. Ich darf dir deinen Erfolg gönnen, denn ich weiß, ich kann auch erfolgreich sein.
Ein bedürfniserfülltes Leben fördert schnell die Entwicklung von Werten, wie Gerechtigkeit, Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft usw. für einen Menschen.

Wie gehen wir mit Wünschen um?

Wünsche erfüllt zu bekommen ist nicht zwangsläufig bedürfnisorientiert. Das entspricht oft einer Ersatzbefriedigung. Besonders dann, wenn ein Kleinkind sämtliche Wünsche erfüllt bekommt und dennoch unzufrieden ist. Dann beruhigen Eltern auch ihr Gewissen mit dem Erfüllen von Wünschen und wundern sich dann, wenn die Wünsche immer anspruchsvoller und die Kleinen immer unzufriedener werden. Solch eine Situation nennt man dann verwöhnen. Diese Kleinen bekommen vom Richtigen zu wenig und vom Falschen zu viel!
Oft ist es auch so, dass Wünsche nicht sofort erfüllt werden können.
Dann geht es darum, weitere Informationen herauszufinden, was das Bedürfnis hinter dem Wunsch ist.
Der nächste Schritt ist dann, zu überlegen, wie und wann der Wunsch erfüllt werden kann.
Dazu gehört auch die Beteiligung der Kleinen. Einmal ist der Wunsch: Ich wünsche mir, darf ich….
Mit der Erlaubnis ist noch nicht gewährleistet, dass die Eltern für die Erfüllung des Wunsches geradestehen.
Der Einsatz des Kindes darf auch gefordert werden: Was tust du dafür, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht? Ich meine damit nicht eine Gegenleistung!

Ich mag hier ein Beispiel mit folgender Situation geben: Deine Tochter oder dein Sohn hat den Wunsch, einen Tauchkurs und einen Computerkurs zu besuchen. Beides geht nicht sofort. Welcher Wunsch ist größer? Kann dieser erfüllt werden? Muss darauf gespart werden? Wie wichtig ist ihm der Kurs? Welchen Beitrag ist er bereit zu leisten? Wie kann der zweite Wunsch erfüllt werden? Nächstes Jahr? Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Beides ist möglich!

Macht das Sinn?

Wie kannst du mit diesen Erkenntnissen umgehen? Sind sie dir neu? Fremd? Kannst Du sie verstehen?
Wie wäre es, wenn du dir die Frage stellen würdest: Würde ich es mögen, solch eine Erziehung zu genießen?
oder: Was ist das schlimmste, was passieren könnte, wenn ich die Bedürfnisse meines Kindes in den Vordergrund stellen würde? Was für Probleme würden auftreten? Ein guter Tipp ist, sich in die Situation hineinzuversetzen. Wie würdest Du reagieren? Wie wäre es, wenn du dich erinnern würdest: Ich bin wichtig und wertvoll – nur weil ich bin!
Wie wäre es, wenn du dich erinnern würdest: Ich bin gut genug, so wie ich bin!
Ab wann brauchen Kinder Grenzen?
Wie wir bereits gesehen haben, heißt klare Grenzen setzen nicht gleich etwas Negatives in der Konsequenz. Eher im Gegenteil. Zum Thema Kindern Grenzen setzen, können wir einen klaren Aspekt fest halten.
Kleinen Kindern Grenzen zu setzen gehört eben zum Alltag in jeder Familie und Erziehung. In jeder Familie ist das ein wichtiges Thema. Natürlich denken viele, Grenzen schränken ein und ist mit unangenehmen Gefühlen verbunden. Doch, viel wichtiger ist, was viele vergessen, dass das Thema Grenzen geradezu etwas Positives mit sich bringt. Grund dafür ist, dass sie vor allem Sicherheit und Orientierung geben. Klare Grenzen sind also sogar notwendig und wichtig in der Erziehung, damit sich die Kleinen klar und sicher orientieren können. Damit bieten Eltern ihren Kleinen sehr viel Unterstützung im alltäglichen Leben.  Dafür ist es wichtig, dass man eine Autorität ist, die den Kindern den richtigen Weg aufzeigt, um eine freie Entfaltung der Persönlichkeit ermöglichen zu können. Und so lernen Kinder, selbst auch Grenzen zu setzen. Seien es körperliche Grenzen oder andere. Vor allem im Kindergarten und in der Schule lernen Kinder neue Kinder kennen und auch dort ist es wichtig, dass Kinder sich gegenseitig Grenzen vermitteln. Und so lernen es bereits Kleinkinder im frühen Alter.

Kinder brauchen Grenzen – und Führung!

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