Vier Begriffe, die gerne in einen Topf geworfen werden und dennoch völlig unterschiedliche Wirkungen haben.
Lob schafft Verbindung, schafft Abhängigkeit.

Über das Lob erfahren wir Zustimmung, in dem wie wir uns verhalten, was wir machen. Lob verlangt nach mehr. Spornt an, bestätigt, gibt Sicherheit: ich gehöre dazu und macht mich doch abhängig von der Zustimmung des Anderen.

Wie viele von uns sehnen sich als Erwachsene noch danach, von den Eltern ein Wort des Lobes zu bekommen, Bestätigung, dass sie alles richtig gemacht haben, zur Zufriedenheit der Eltern gehandelt haben?
Das lässt vermuten, Lob sei etwas verwerfliches, denn wir wollen doch alle frei und unabhängig sein. Lob am rechten Platz und im rechten Maß ist sinnvoll und hilfreich.

Doch was ist am rechten Platz, im rechten Maß?

Am rechten Platz ist Lob immer dann, wenn sich jemand noch zurechtfinden muss: Das kleine Kind, das sich im Familienverband noch nicht auskennt, erfährt über das Lob: so ist es bei uns richtig, so machen wir das. Gleichzeitig stärkt es die Bindung zwischen Kind und Erwachsenen. Und das ist wichtig, denn über die Erwachsenen erfährt das Kind die Zugehörigkeit zu seinem Familiensystem.

Im rechten Maß ist Lob dann, wenn Bestärkung wichtig ist; z.B. in unbekanntem Gebiet, bei Verwandten, die nicht so oft besucht werden, in den Anfangstagen im Kindergarten, in der Schule. Nach dem Eingewöhnungsprozess ist Lob nicht mehr angebracht. Dann unterstützt Lob nur noch die Abhängigkeit und Konkurrenzdenken innerhalb der Familie /Schule.

„Gestern wurde ich gelobt – heut noch nicht. War ich nicht gut genug?“ „Der andere wurde mehr gelobt als ich – bin ich nicht gut genug?“ „Ich muss mich noch mehr anstrengen – dann werde ich wieder gelobt.“ „Der andere hat es auch nicht besser gemacht als ich – und wird gelobt und ich nicht.“ „Der andere hat das größere / schönere Spielzeug bekommen – der ist besser als ich, wird mehr geliebt als ich.“ So kreisen dann die Gedanken und Unfrieden in der Familie / Klasse  ist vorprogrammiert.

 Kinder sind neugierig – sie wollen lernen

Kinder sind von sich aus motiviert, Neues zu lernen. Einem Kind, das Laufen lernen will, ist es schlicht egal, ob Mama das super findet oder nicht. Es will aus sich heraus Laufen lernen, Sprechen lernen, Dinge alleine machen. Dazu braucht es kein Lob. Da kann die Mutter anerkennen: Du hast dich ganz toll angestrengt und viel geübt. Da bist du schon ganz geschickt (im Laufen, Sprechen, Malen…).

Und so kommen wir zur Anerkennung: Leistung/Verhalten muss anerkannt werden. Das was ich tue, was die anderen machen, darf gesehen werden. Das Verhalten ist jetzt im Fokus und findet Beachtung. Manchmal verwechseln wir diese Beachtung mit Lob, doch wenn wir benennen, was das Kind, der andere gemacht hat (unabhängig davon, wie wir dies bewerten), anerkennen wir die Handlung. Manchmal gefällt uns das Ergebnis einer Handlung des Kindes nicht – und jetzt ist es hilfreich, nachzufragen, was mit der Handlung bezweckt wurde. Dann ist oft eine gute Absicht erkennbar und diese kann anerkannt werden.

Dazu ein kleines Beispiel: eine Mutter kommt in die Küche, in der ihr kleiner Sohn inmitten einer Wasserpfütze am Boden sitzt und das ganze Geschirr vom Küchentisch auf dem Boden um sich verteilt hat. Sie sieht das Chaos, und anstatt zu schimpfen, fragt sie ihren kleinen Sohn, was er da mache. „Ich helfe dir, das Geschirr abzuwaschen.“ „Warum machst du das am Boden?“ „Der Spültisch ist für mich zu hoch, da komm ich nicht dran.“ Die Mutter fragt den Kleinen: „Was könntest du nächstes Mal machen, damit wir keine Überschwemmung hier haben?“ Nach kurzem Überlegen sagte der Kleine: „Ich könnte ins Bad gehen.“ Die Mutter ist froh, dass sie nicht geschimpft hat, und kann sich so für die Hilfe des Sohnes bedanken. (zitiert nach Stephen M. Covey)

 Kinder wollen gesehen werden

Anerkennung spornt an, vom Gesehenen noch mehr zu machen. Gesehen werden steht hier im Fokus. Das ist auch der Grund, weshalb monetäre Anerkennung nur am Anfang hilfreich ist. Im späteren Verlauf weicht die Freude auf eine zusätzliche Zahlung einer Unzufriedenheit und / oder einem Anspruch. („Was bekomme ich dafür, wenn ich xy mache?“). Bedeutung zu bekommen ist viel wichtiger. Bedeutung im Sinne: Mein Beitrag ist wichtig. Ich werde gesehen in dem was ich mache. Das Ergebnis meiner Handlung ist hilfreich für die Gemeinschaft.

Anerkennung steht immer im Bezug zur Handlung, zum Verhalten. („Ich anerkenne dich für deinen Einsatz / für dein Benehmen etc.) Nicht nur, dass wir das Tun des Anderen anerkennen, auch uns selbst gegenüber dürfen wir anerkennend sein. Das erscheint manchmal etwas schwierig, haben wir doch alle im Ohr: Eigenlob stinkt. Nein: Anerkennung des eigenen Tuns ist immens wichtig. Wie oft haben wir uns den Herausforderungen des Lebens gestellt? Haben Schwierigkeiten überwunden, haben Entscheidungen getroffen, haben uns weiterentwickelt. Wir haben uns überwunden – und das darf – nein – muss anerkannt werden.

Mit dieser Anerkennung, die wir uns selbst schenken, wächst unser Vertrauen in uns selbst. Mit diesem Gefühl ermutigen wir uns selbst, unangenehme oder unbekannte Situationen anzunehmen und zu einem guten Ende zu bringen.

Mit diesem Vertrauen kommen wir zu einem Selbst-Verständnis unseres Seins. Jetzt können wir von uns sagen: „Ich bin mutig, wertvoll, liebenswert, vertrauenswürdig, freundlich…..“

So wie wir sind, gehören wir als wichtigen Teil zu unserem Familiensystem. Wir bringen uns ein – einfach durch unser SoSein. Niemand kann uns diese Zugehörigkeit abstreiten und damit das Recht auf Wertschätzung. Und wir müssen uns nicht auf eine besondere Art und Weise verhalten. Zugehörigkeit ist unser Geburtsrecht. Einfach weil wir sind – sind wir wertvoll und dürfen geschätzt werden: wertgeschätzt.

Anerkennung – oder  Wertschätzung?

Oft verwechseln wir Anerkennung und Wertschätzung. Eine kleine Hilfestellung habe ich gefunden: „Ich anerkenne was du TUST“. „Ich wertschätze dich, weil du BIST.“

Je mehr wir Anerkennung und Wertschätzung in unser Leben bringen, umso stärker wird die Verbindung zwischen uns. Diese Verbindung ist jedoch frei von Abhängigkeit, sondern getragen von einer immer stärker werdenden Liebe.
Wenn wir erkennen, welche Fähigkeiten und Eigenschaften unser Gegenüber hat (oder wir selbst haben) und wie diese ins Tun und damit ins Leben gebracht werden – erwächst in uns ein Gefühl der Dankbarkeit.

Die Verbindung von Sein und Tun führt zur Dankbarkeit

Dankbarkeit zu empfinden bedeutet auch, die Geschenke, die das Leben uns bereit hält zu erkennen und anzunehmen.
Dankbarkeit zu empfinden heißt auch, über diese Kostbarkeiten nachzudenken.
Dankbarkeit bedeutet auch, Hoffnung in schwierigen Lebenssituationen zu haben. Sie ermöglicht uns, das was uns begegnet in  einer Verhältnismäßigkeit zu sehen.
Dankbarkeit zu üben führt uns zu immer größeren Segnungen.
Dankbarkeit öffnet uns ein Tor zu immer größerem Reichtum, innerlich und äußerlich.

 

Dass Sie immer mehr Anerkennung, Wertschätzung und Dankbarkeit in Ihr Leben bringen und dadurch inneren und äußeren Reichtum erfahren – das wünsche ich Ihnen.

Wie es Ihnen gelingen kann, sich immer wieder daran zu erinnern, wie wichtig es ist, immer und immer wieder Wertschätzung und Anerkennung zu geben und zu erfahren – dazu lade ich Sie ein, sich meine 10 Tipps für ein entspanntes Leben mit Kindern hier herunterzuladen.

Ich freue mich, wenn Sie mir Ihre Fragen im Kommentarfeld hinterlassen – ich beantworte sie gerne.
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